Engelgau

Kultstättenbetrachtungen westlich des Michelsberges

Die westlich des Michelsberges gelegenen Orte liegen für Sonnenaufgangsbetrachtungen über dem Michelsberg eigentlich ideal und dürften auch von vorzeitliche Bauern und Hirten genutzt worden sein. Allerdings lassen sich diese Kultstätten kaum mehr nachweisen. Ehemalige Menhire oder Steinkreise wurden spätestens von den Franken zerschlagen oder von Römern für ihre Bauwerke genutzt. Den Rest erledigte dann die Geschichte. Jedoch gibt es einige Möglichkeiten, an heute noch erkennbaren Markmalen ihre wahrscheinliche Lage zu muten. Dies sind einmal Wegekreuze, Bilderstöcke, Wegegabelungen, markante Höhen oder kleine Heiligenhäuschen bzw. Kapellchen, die ihren Standort oftmals an Stelle ehemaliger Steinsetzungen haben. Ein weiteres wichtiges Merkmal sind die Wege- und Flurverläufe sowohl innerorts als auch außerorts. Laufen mehrere Wege an bestimmten Kreuzungspunkten auf den Hauptkalenderlinien, wie 1.5. Beltaine, 15.5. Sophientag, 22.6. Sommersonnenwende, 1.11. Allerheiligen (Halloween, Samhain), 11.11. Martinstag oder 22.12. Wintersonnenwende zusammen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Standort zur Beobachtung von Sonnenwenden auszugehen. Eine weitere Möglichkeit zur Erkundung von Kultstätten ist die Überfliegung, die mittels Google-Earth nur sporadisch kleine Resultate bringen. Für eigene Überfliegungen fehlen die Mittel.

Es geht also um die Frage, an welchen Stellen der Orte oder Felder heute noch Wegekreuze, Kapellen oder Bilderstöcke anzutreffen sind, die in Konjunktion zu anderen Kultstätten liegen. Wenn christliche Altäre oder Heiligenhäuschen an diesen älteren Standorten stehen, stellt sich meistens irgendwann eine Kalendertauglichkeit heraus, die mit umliegenden Standorten oftmals als System erkannt werden können. So ist es also interessant festzustellen, ob die heute vorhandenen christlichen Wegekreuze und Andachtsstätten auch mit weiter entfernten Stätten im mittleren Bereich von etwa 3 km miteinander verbunden sind und Teil eines Gesamtsystems darstellen. Insofern käme man zu einem übergeordneten Kalendersystem wie bei Odesheim in der Mutscheid.

Vorbetrachtung:

Zunächst zu zwei historischen Wegekreuzen:
Das Hagelkreuz zwichen Buir, Engelgau und Tondorf *) aus Eifelblicke:

Das Hagelkreuz wurde 1903 zum Schutz vor Unwetter wie Blitz und Hagelschlag errichtet. Es soll an dieser Stelle bereits vorher ein Kreuz aus Holz gestanden haben. Jährlich an Christi Himmelfahrt ziehen Prozessionen der ringsum liegenden Orte Frohngau, Buir und Tondorf zum Hagelkreuz. Die Menschen erbitten Gottes Schutz und Segen für ihr Hab und Gut sowie die Früchte auf den Feldern. Beim Bittgang zum Hagelkreuz legen einige Familien Brotlaibe zur Segnung am Sockel des Kreuzes nieder. Die Brote werden unter den versammelten Gläubigen verteilt, welche stets einige Brotstücke als Segen für Alte und Kranke und sogar für die Tiere in den Ställen mit in ihre Orte nehmen. Das Hagelkreuz ist ein Ort zum Verweilen und Innehalten. Auf einer Höhe von 544 Metern über dem Meeresspiegel breiten sich Felder, Wälder und Hügel vor dem Betrachter aus. Bei guter Sicht öffnet sich ein fantastischer Blick nach Norden über die Zülpicher Börde bis nach Köln. Nach Osten und Süden reicht die Fernsicht bis zu den Vulkankuppen von Michelsberg, Hoher Acht, Nürburg und Aremberg.“

Das Jonaskreuz an einem alten Kreuzweg *) Aus der Pfarrchronik: 175 Jahre Pfarrgemeinde St. Gertrud Bouderath, 1979, Seite 23 und der Dorfchronik 1100 Jahre Roderath, Seite 100:

„Wo die Wege Bouderath - Holzmülheim und Roderath sich kreuzen, steht seit langen Jahren das sogenannte "Jonaskreuz" - vielleicht um 1700 errichtet von der damaligen Pächterin der Schochermühle, einer Familie Jonas. Mehrmals (1804 und 1922) wurde das verwitterte Kreuz erneuert. Nach dem II. Weltkrieg (1950) wurde hier ein gut fundamentiertes Holzkreuz aufgestellt. Das Jonaskreuz ist Ziel und Mittelpunkt einiger Prozessionen an bestimmten Tagen. Die dabei stehende Linde wurde 1928 errichtet.“

Im Verlauf der späteren Untersuchungen wird sich zeigen, ob diese zwei markanten Punkte zu einer regionalen Datumsbestimmung herangezogen werden können, oder sogar über weitere Entfernungen als Kalenderstandorte gelten.

Wegeausrichtungen und Kultstätten in Engelgau


Karte 1 - Der ältere Ortsteil von Engelgau liegt im Süden. Er ist erkennbar an der kreisförmigen Struktur, die im Süden und einigen Stellen im Norden an Wege-, Grundstücks- und Böschungsverläufen erkennbar ist. Der Durchmesser beträgt um 400 m = 1200 Fuß. Dies entspricht dem ältesten Maß des ägyptischen Nippurfuß bzw. dem von Karl dem Großen weitestverbeiteten Fuß-Maß, welches auf der Basis von 100 Fuß = 33 1/3 m kreisförmige Siedlungs- oder Weidebezirke vermißt.


An der Kirche, die als roter Punkt markiert wurde, verläuft die Mühlenbachstraße auf einer Linie zur Mondwende (violett). Auf Mondwenden angelegte Straßen stammen häufig aus fränkischer Besiedlungszeit. Durch ihre Anordnung bei 139 bzw. 318 Grad wird in hellen Mondnächten eine relative Ausleuchtung erreicht, indem weiß getünchte Fachwerkhäuser oder der spiegelnde Bach das Mondlicht reflektieren. Wie an Beispielen von Gürzenich/Düren, Blens/Rur und Odesheim/Mutscheid sind Bäche und Gräben auf solchen Verläufen oftmals auch als Odenbach bezeichnet und scheinen im Zusammenhang mit Odin zu stehen. Auf Mondwenden verlaufende Wege können jedoch auch in der Zeit vor den Kelten angelegt worden sein, wie sonstige Analysen ergaben.

Unweit der Kirche befindet sich ein als Dorfmittelpunkt anzusetzender Kalenderpunkt (K), auf den zu eine 1.-Mai-Linie (gelb) auf der Dahlienstraße läuft, die am Platz selbst auf der Sommersonnenwende (rot) (als Teilstück der Buchenstraße) und später weiter nach Osten als Engelsgasse auf der Sophienlinie 15.5. (grün) verläuft. Solche aneinandergelegte Kalenderlinien haben sich andernorts als überregionale Tangenten älterer Zeit erwiesen an denen in Norddeutschland (Steinfeld/Dammer Berge) Hünen- oder im Eifelraum (Goloring) Urnengräber liegen. Weiterhin verläuft eine als hellblaue Einzeichnung markierte Kalenderlinie im Winkel von 112 Grad entlang des vorzeitlichen Kultstättenbezirk (K) und markiert den Sonnenaufgang zum 1.11. als damaligen Tag des Endes der Feldarbeit. Die beiden bäuerlichen Linien künden also davon, daß Engelgau zu Zeiten angelegt worden ist, als man noch 1.5 und 1.11. als keltische Hauptfeiertage als für den Beginn der Sommerperiode bzw. Winterperiode ansah. Erst später infolge einer Klimaverschlechterung verlegte man für rauhere Gegenden wie die Eifel den Saatbeginn vom 1.5. auf den 15.5. und das Ende der Feldarbeit vom 1.11. dem keltischen Feiertag Samhain auf den 11.11., den Martinstag.

Bezüglich Engelgau bleibt abzuwarten, ob weitere Untersuchungen der umliegenden Orte (diese laufen ab 18. März 2011) Aufschluß darüber bringen und ein Teilbereich eines auf Kalenderlinien beruhenden Gesamtsystems vorliegt. Im übrigen dürfte also Engelgau den bäuerlichen Hauptzweck markieren, den Einsaattermin zu berechnen.

Vom Namen Engelgau und der dort so bezeichneten Engelsgasse dürfte ähnlich wie beim Engelberg/Kirchheim oder Lichtenberg/Billig (beide heute zu Euskirchen gehörend) ein Hinweis auf den Lichtengel gegeben sein.

Als ein besonderes Merkmal für Engelgau wurde das Fehlen von Wegekreuzen, Heiligenhäuschen, Altären, Bilderstöcken usw. festgestellt. Dafür befinden sich 6 Wegegabelungen in Engelgau, von denen alle im Rahmen einer Kalenderzuordnung interpretiert werden konnten. Schließlich gibt es noch neben der Engelsgasse einen weiteren Anhaltspunkt, daß in Engelgau einst Kalenderkundige wohnten. Nach dem Eisheiligen Pankratius (12. Mai), folgen Servatius und Bonifatius (13. und 14. Mai), denen dann wiederum der Sophientag am 15. Mai folgt. Zu Engelgau liegt die etwa 1,6 km entfernte zugehörige Ahekapelle, die eben jenem St. Servatius geweiht ist; ein weiterer Hinweis also auf einen der Eisheiligen, der für die Bestimmung des Frostendes einst bedeutend war. Die Gegend um die Servatiuskapelle soll einst die Heimat von Tempelrittern gewesen sein, die plötzlich verschwunden waren, so berichtet die Erzählung. Die Kirche von Engelgau ist St. Lucia geweiht. Lucia bedeutet die Leuchtende. St. Lucia war bis zur Gregorianischen Kalenderreform der kürzeste Tag des Jahres, der 21. Dezember.





Außer einer Klimaverschlechterung dürfte auch die Einführung des Julianischen Kalenders zur Änderung der bäuerlichen Ecktermine geführt haben. Da der Schalttag noch nicht eingeführt war, führte der Julianische Kalender zu immer größeren Ungenauigkeiten und ließ irgendwann den 1. Mai erst gegen Ende Mai feiern, welches über mehrere Jahre betrachtet zu unsinnigen Angaben führte. Der in klimatisch günstigen Gegenden Europas wie Frankreich oder Südwestengland angesetzte erste als sicher frostfrei angesetzte Tag liegt dort auf dem keltischen Festtag 1. Mai = Beltaine, dem Beginn allen Wachstums auf der Welt, während der erste frostfreie Tag der Eifel und kühlerer europäischer Regionen schließlich auf den 15. Mai, dem Tag nach den Eisheiligen, verschoben wurde.


Links: St. Lucia - Alles Fotos vom 15.3.2011 - 15-15.30 Uhr

Der Erzählung nach soll Engelgau einst weiter östlich Richtung Frongau gelegen haben (Jansen aus Engelgau, veröffentlicht in dem Buch von Gottfried Henßen: "Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes", 1955, Nr. 342). Dieses Engelgau würde laut obiger Karte 1 östlich (rechts) der grünen Einzeichnungen gelegen haben. Solche Siedlungsverlagerungen können ihren Ausdruck in Sagen oder Flurnamen finden. In Engelgau wird der Engel über die Engelsgasse wieder an den rechten Platz gerückt. Die Franken übernamen das Christentum, zerschlugen die Zeugnisse des Steinkultes und besiedelten das Rheinland. Nur noch wetterkundigen Bauern blieb das Wissen über den Stand der Sonne an Eisheiligen und an Allerheiligen. Alle weiteren Spurenverwischungen erledigte die Kirche mit dem Festsetzen von Feiertagen; schließlich wurden Wotan durch St. Michael und Donar durch St. Petrus ersetzt und an Stelle der Wintersonnenwende hat man heute den Vorabend zu Weihnachten.

Zusammenfassend läßt sich zu Engelgau feststellen, daß Kalendermythologie mit Sonnenverehrung (22.6.) und bäuerlichen Eckdaten Einsaatbeginn 1.5. (15.5.) und Feldarbeit-Ende 1.11. (11.11.) sehr in Ort und Umgebung einwirken. Bäuerlicher Kreislauf und Kalenderereignisse geben dem Orte eine höhere Bedeutung als es nur vom Namen des Hauptortes eines ehemaligen Germanengaues vermuten läßt.





Standortanalysen und Kalenderlinien in Engelgau





Im Norden Engelgaus führt der Schwalbenweg an einer Gabelung nach rechts. Der geradeaus verlaufende Weg läuft entlang des Waldstückes auf der Betrachtungslinie zum 1. Mai (Beltaine). Am 1. September beobachtet man von hier aus über dem Schwalbenweg die aufgehende Sonne. Diese Ausrichtung kann zu keinem kirchlichen oder germanischen Ereignis in Zusammenhang gebracht werden. Insbesondere die folgende Kreuzung Roderather Straße / Schwalbenweg steht für ein Kultereignis welches auch mit Engelgau verbunden ist.

An der Ecke Roderrather Straße / Schwalbenweg befindet sich ein kleiner Platz, welcher als Kalenderort interpretiert wird.

Der 1. September steht in der keltischen Mythologie für Ägydius, Cernunnos-Erbe und Mütter-Heros. Ägydius wird mit der von ihm verehrten Hirschkuh, einem Symbol der großen Muttergöttin in Verbindung gebracht. (Internetseiten diekelten.at 31.7.2011). Dort heiß es weitherhin: Ägydius ist ausgewiesener ostalpiner Nothelfer gegen Unfruchtbarkeit und für Kindersegen, „getaufter” Nachfahr bzw. „Ersatz” des hirschgehörnten keltischen Muttergöttinnen-Heros Cernunnos, den seine Muttergöttin jährlich zu Imbolc per Coitus in seine Sommergestalt Esus verwandelt hatte. In der Fürbergbucht zwischen St. Gilgen und dem Falkenstein wurde dies derart drastisch nachgestellt, dass noch heute die Sage von diesem Ritual der „Heiligen Hochzeit” berichtet. Als weitere Merkmale werden dort aufgeführt: Kurzsteckbrief: Hl. Ägydius; Namenvarianten: Egid, Gilles, Gilg, Ilg, Till; Festtermin: 1. September; Namensdeutung: Heilbringer, Beschützer; Symbole: Hirschkuh, Pfeil; Mythol. Funktion: Nothelfer für Kindersegen, Patron der stillenden Mütter, Patron gg. Epilepsie, Feuer-, Sünder-, Vieh-, Wetterpatron, Grazer Stadtpatron; Parallelen zu: Cernunnos, Bartholomäus, Faunus, Georg, Vitus. Ägidiuskirchen befinden sich ansonsten in Rheinbach und Bornheim bei Bonn, in dessen Umgebung Ägidiusnamen häufiger vorkommen. Der Hl. Ägisius gilt laut Wikipedia auch als: Aegidius, Egidius, Egydius, Ilg, Ilgen, Jilg, Gilg, Gilgian oder Gilgen. Angemerkt, daß bei Gilg bzw. Gill oder Gilgau (bei Rommerskirchen im Kreise Neuß) ebenfalls ein uralter Gauname wie Engelgau vorliegt.

Laut Wikipedia (31.7.2011) wurde Ägidius vermutlich um 640 als Sohn einer noblen Athener Familie geboren. Er verließ seine griechische Heimat und lebte jahrelang in der Diözese von Nîmes als Einsiedler in einer Höhle an der Mündung der Rhone in das Mittelmeer; der Legende nach nährte ihn durch Gottes Fügung eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Während einer Jagd des Westgotenkönigs Wamba (König 672–680) flüchtete diese Hirschkuh zu Ägidius, der sich schützend vor das Tier stellte und so versehentlich von einem Pfeil getroffen wurde. In der Erkenntnis, dass die Tugend in der Schwachheit vollendet werde, bat er Gott, dass ihm während seines Erdendaseins die Gesundheit nicht wiederkehren solle; so blieb ihm die Wunde bis an sein Lebensende. Zur Vergebung seiner Schuld ließ der König Ägidius ein Kloster errichten. So gründete Ägidius 680 die Benediktiner-Abtei von Saint-Gilles, der er bis zu seinem Tode als Abt vorstand.

So tief greifen also bei Engelgau Sage, Mythos, Legende, Engelnamen und kelt. Schöpfergottheiten in die Geschichte des Ortes ein, der in der germanischen und christlichen Geschichte wohl bestimmend für einen weiteren Umkreis war. Engelgau ist also nach Odesheim und Mahlberg dritter festgestellte Kalenderort eines übergeordneten Mutscheider oder Michelberg-Kalendersystems. Ein jeder dieser 3 Orte mit eigenem Charakter und eigener Interpretation.

Unweit von der Ecke zum Schwalbenweg verläuft die Roderather Straße geradewegs nach Engelgau hinein.

Umgekehrt der Verlauf der Roderather Straße von der kreuzenden Dürener Straße aus gesehen.

Von hier beobachtet man bei freiem Himmel den Sonnenaufgang am 1. Mai. Durch die Bebauung ist die ursprüngliche Horizontbetrachtung allerdings stark eingeschränkt. Ähnliche Beobachtungen lassen sich von der Tulpenstraße und der Engelsgasse am 15.5 auf Sophientag machen. Die Verläufe sind oben in Karte 1 als grüne Linien eingetragen.





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