Namen, Zweck und Merkmale





Der Fischerort Greetsiel nennt sich in einer Touristenbeschreibung (greetsiel.de, Stand 12.6.2011) zusammen mit 18 Warfendörfern als Gemeinde Krummhörn und verfügt in der Umgebung der historischen Sielschleuse über eine Aufschüttung von etwa 1-3 m Höhe und etwa 420 m Durchmesser. Als Haupttouristenort übernimmt man sozusagen auch eine Mitpatenschaft über die touristisch interessanten Warfendörfer. Außer diesen 19 Orten des Krummhörn werden zusätzlich die südwestlich gelegenen kleinen Ansiedlungen Cirkwehrum, Groß Midlum und Kloster Sielmönken mit aufgenommen, weil sie sich gebietsmäßig hier anschließen.

Der Name und Zweck eines Warfendorfes

Laut wikipedia.de (12.6.2011) wird eine Warft auch Warf, Werfte, Wurt, Terpe oder Wierde genannt und diente als sturmflutschützender Siedlungshügel. Diese sind verbreitet neben Ostfriesland in Holland, der Nordsee, den Halligen und weiteren norddeutschen Gebieten wie Dithmarschen, Nordfriesland, Elbe-Weser-Raum, Wangerland und Hadeln. Die Anlagen erstrecken sich auf vom einzelnen auf Sand, Klei, Erdaushub oder Mist aufgefüllten Hügel stehenden Bauernhaus bis zum Zusammenschluß als Siedlungsgemeinschaft auf einem teller- oder diskusförmigen Wohnhügel (Dorfwurt), der in der Regel rund, manchmal oval angelegt war. Die ersten Anlagen, die über eine Regenwassersammelgrube (Sood) verfügten, setzt man auf das 2.-3. Jahrhundert n. Chr. an. Einiger der Sooden überlebten als kleiner Weiher bis in die heutige Zeit. Seinerzeit drang das Meer noch immer weit in das unbefestigte Innenland vor und überschwemmte riesige Flächen. Man besaß kaum Vieh, lebte von Fischfang und war in einem ständigen Kampf mit der Natur. Die meisten Warfen weisen heute in ihrem Zentrum eine Kirche mit nebenliegendem Friedhof auf und verfügen im Kernbereich nur über enge Zufahrtswege, manche von ihnen weisen äußere, mittlere oder innere Ringstraßen auf.


Warfendörfer am Krummhörn

Google-Earth-Analyse v. 12.6.11

Radius in m (mehrere Messungen)

Kirche / Friedhof

Ringstraßen (innere, mittlere, äußere)

Einwohner (ca)
im Jahre 2000

Sonstiges Merkmal

Krummhörn






Campen

161, 138, 213, 234

ja

- / 130 / - (teilweise)

560

Ostfriesisches Landwirtschaftsmuseum
Kreisstruktur erkennbar

Canum

181, 184, 205, 216

ja

-

298

Äußerer Kreis teilweise durch Bewuchs erkennbar

Eilsum

260, 295, 314, 333

ja

-

620

Äußerer Kreis durch Straße und Verlauf des alten Greetsieler Sieltief erkennbar

Freepsum

230, 268, 290, 310

ja

-

419

Äußerer Kreis durch Bewuchs, Straße und Grundstücksverlauf erkennbar

Greetsiel

385, 411, 510, 530

ja

-

1554

Neuzeitliche Anschüttungen

Grimersum

273, 330, 456, 470

ja

-

668

Längswarf

Groothusen

365, 599, 607, 613

ja

-

536

Längswarf, Äußere Umgrenzung durch Bewuchs erkennbar

Hamswehrum

248, 256, 272, 282

ja

- / - / 242

509

Äußerer Kreis durch Bewuchs und Straße erkennbar

Hauen (zu Greetsiel)

201, 213, 228, 241

?

- / - / 241

99

Gut erkennbarer Kreis durch Graben, Bewuchs und Straße

Jennelt

213, 227, 289, 356

ja

234 / - / - (teilweise)

355

Äußerer Kreis durch Bewuchs und Straßenverlauf erkennbar

Loquard

370, 394, 396

ja

63 / 179 / 382

650

Sehr gut erkennbare Kreisstruktur

Manslagt

288, 344, 304, 457, 491

ja

288 - 491

434

Ovalform, Umriß durch Straße und Bewuchs sehr gut erkennbar. Eindruck, daß 2 Rundwarfen aneinander gebaut wurden

Pewsum

Hauptmessungen
560, 434, 548, 478
Nebenmessungen
378, 427, 533, 595, 616, 650, 720, 740

ja

143 / 240 / 388

3313

Zentraler Kalenderort. Kreisstrukturen anhand von Straßen-, Wege- und Grundstückverläufen erkennbar. Mehrere Straßen liegen auf Kalenderlinien.

Pilsum

220, 250, 270, 314

ja

110 / 228 (teilweise)

657

Warfenform nicht geklärt, wahrscheinlich ursprünglich kreisförmig, später oval

Rysum

403, 413, 420, 423

ja

- / 217 / 400

809

Sehr gut sichbare Kreisstrukturen

Upleward

337, 343, 401, 430,

ja

126/ 234 / 412

390

Äußerer Kreis sehr gut durch Straßen und Grundstücksverläufe erkennbar

Uttum

202, 225, 260, 397

ja

-

556

Ovalform (2 aneinander gesetzte Kreise?)

Visquard

305, 325, 338, 401

ja

- / 194 / 348

765

Kreisstrukturen durch Straßen und Grundstücksverläufe erkennbar

Woltzeten

219, 228, 233, 237

ja

- / - / 237

209

Kreisstruktur durch Straßen und Bewuchs sehr gut erkennbar

Woquard

233, 235, 251, 252

ja

-

200

Keine Kreisstrukturen erkennbar







Hinte






Cirkwehrum

180, 181, 210

ja

- / - / 180

200

Kreisähnlich (abgerundete Quadratform)

Groß Midlum

303, 321, 324, 338

ja

- / 140 / 324

760

Sehr gut erkennbare Kreisstruktur

Kloster Sielmönken

259, 268, 293, 301

ja

-

-

Äußerer Kreis durch Bewuchs und Grundstückverlauf erkennbar







Historisch






Avebury

400, 420

ja

-

-

Keine Warfe, sondern Vorzeitanlage

Salisbury

420, 540

ja

-

-

Keine Warfe, sondern Vorzeitanlage

Gut Capellen

460

ja

-

-

Keine Warfe, sondern historisches Gut auf vorzeitlicher Anlage







Fette Zahlen - angesetzte Kreisgröße des Dorfkernes
*) Bei einigen Warfendörfern wird angenommen, daß insbesondere nach Westen und Nordwesten hin Teile mancher Warfen irgend einer Sturmflut zum Opfer fielen und weggespült wurden. Der fett dargestellte Durchmesser ist der für weitere Berechnungen genommene Wert.





Häufigkeiten der Durchmesser und Versuch einer Typologie

Die oben fett gezeichneten Zahlen sind nur grobe Werte, die mittels Google-Earth ermittelt wurden. Sie wurden als die typische Größe für das jeweilige Warfendorf, meistens anhand des Verlauf einer umgebenden Straße, Grundstückseinfassungen, Gräben oder Baumbewuchs angenommen.

Sortierung nach Größe

180, 216, 220, 227, 228, 228, 230, 233, 234, 248, 268, 278, 288, 295, 324, 325, 330, 365, 385, 396, 397, 401, 420, 420, 420, 460 *)


Versuch einer Typologisierung

Durchmesser bis 180 m

1




Durchmesser 215 - 235 m

8




Durchmesser 236 - 265 m

1


Vereinfachte Tabelle


Durchmesser 266 - 295 m

4


215-235 m

9

Durchmesser 324 - 330 m

3


270-295 m

4

Durchmesser 365 m

1


324-330 m

3

Durchmesser 385 m

1


395-420 m

6

Durchmesser 395 - 405 m

3


Sonstige

3

Durchmesser 420 m

3




Durchmesser 460 m

1







Abb 5. - Warfenhäufigkeit

Spezifizierung

Häufungen treten bei 230, 330 und 410 m auf. (Toleranz +/- 5 m)
225 - 270 = 35 m
295 - 330 = 35 m
330 - 365 = 35 m
365 - 400 = 35 m
Abstände zwischen den einzelnen Gruppen lassen sich auf etwa 35 m annehmen.

Nimmt man für die Bestimmung des Durchmessers ein Maß auf der Basis 33 1/3 m oder 3,33 m an, so ergeben sich Durchmesser von 33, 67, 100, 133, 167, 200, 233, 267, 300, 333, 367, 400, 433 oder 466 Metern. Bei einer Toleranz von 5 Metern, die durch Überflutungen im Laufe der Jahrhunderte durchaus zu Wegspülungen führten, sind dies bei 26 untersuchten Objekten 16, deren Zahl sich auf 22 erhöht, wenn man die etwa 7-9 m breiten Straßen- und Grabenbereiche bei einigen Warfen berücksichtigt. Man käme zu der Feststellung, daß 61,5 bzw. 84,6 Prozent der Warfen in obigen Normgrößen angelegt worden wären.

Bei einer Berücksichtigung eines Maßes von 35 m sind die Durchmesser 35, 70, 105, 140, 175, 210, 245, 280, 315, 350, 385, 420, 455 und 480 m. *) Bei einer Betrachtung ohne Toleranzen wären 10 von 26 Warfen typisiert (= 38,4 %), mit Toleranzen käme man auf 13 von 26 (= 50 %) der Warfen. Eigenartigerweise sind die Warfen mit den Werten von 248 (Hanswehrum), 278 (Pewsum), 288 (Manslagt) und 385 m (Greetsiel) nicht beim 33 1/3 sondern bei 35 m-System anzusiedeln. Nach genauem Hinsehen handelt es sich außer bei Hanswehrum um Sonderformen der ursprünglichen Warften, die aus 2 Warften zusammengefügt, eine Ovalform haben oder nachträglich erweitert wurden.

Nimmt man als Basis ein engl. Foot = 30,48 cm, oder ein dän. Food = 31,38 cm, käme man nur auf 13 oder 8 Übereinstimmungen bei Einteilungen in obige Gruppen. Mit dem drusianischen Fuß von 33,5 cm käme man auf die häufigsten Übereinstimmungen und wäre somit dem ältesten Maß des ägyptischen Nippurfußes bzw. dem von Karl dem Großen weitestverbeiteten Fuß-Maß gerecht, welches der ersten Annahme der Warfendurchmesser auf der Basis von 33 1/3 m-Stufen entspricht.

Somit entsprechen den 3 Warfengrößen 700, 1000 und 1200 Fuß etwa (14) von (25) Objekten.





























m

180

216

220

227

228

230

233

234

248

268

288

295

324

325

330

365

385

396

397

401

420

420

420

460

533

Fuß

540

648

660

681

684

690

699

702

744

804

864

885

972

975

990

1095

1155

1188

1191

1203

1260

1260

1260

1380

1600

Typ




700

700

700

700

700

750

800



1000

1000

1000



1200

1200

1200

1200

1200

1200


*)

700-Fuß-Warf = Campen, Freepsum, Jennelt, Hauen, Wolzeten, Woquard
750-Fuß-Warf = Hamswehrum
800-Fuß-Warf = Kloster Sielmönken
1000-Fuß-Warf=Grimersum, Groß Midlum, Visquard
1200-Fuß-Warf=Loquard, Upleward, Uttum, Rysum
1600-Fuß-Warf=Pewsum

*) Die Berechnungen sind nur als grob anzusehen. Infolge Wegschwemmungen, Absenkungen, Erweiterungen oder Umbauten an den Warfen sind im Laufe der Jahrhunderte Verformungen oder Vergrößerungen (Verkleinerungen) enstanden, die spätere genauere Untersuchungen und Berechnungen wünschenswert machen. Die hier genommenen Werte sind also nur als eine erste Festlegung anzusehen.

Hinweis
Die Untersuchungen der Warfen geschahen aufgrund von Angaben aus den Internetseiten der Gemeinde Greetsiel, wikipedia.de und durch umfangreiche Google-Earth-Auswertungen. Es wurden nur einige Warfen besichtigt und es wurden keine Aufzeichnungen gemacht über die genaue Höhe der Warften, noch vorhandene Sooten (Regenwasserbecken), Kirchen, Friedhöfe, Denkmäler, Versammlungsstätten, usw. Der Verfasser wurde per Zufall auf die Warfendörfer aufmerksam, weil wegen schlechten Wetters eine geplante Borkumfahrt keinen Sinn erbrachte.

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