Was Stonehenge, Goloring, Ringwall Kreuzweingarten, Mutscheider und Krumhörner Kalender gemeinsam haben - Eine analytische Betrachtung mit Hintergründen und Vergleichen.

Mit einer Luftaufnahme fing es an. Im April 2005 fand im Zusammenhang mit Dokumentationen um die Dorfchronik Euskirchen - Kreuzweingartens eine Überfliegung der Gegend um die Orte Billig, Rheder Kreuzweingarten, Kirchheim, Kirspenich, Arloff, Iversheim, Wachendorf, Antweiler, Rißdorf, Lessenich und Weile am Berge statt, die den Zweck des Nachweis eines Kalendersystems rund um den Ringwall Kreuzweingarten hatte.


Img. 041 - Münsterberg Wachendorf

Direkt beim ersten Überflug war in kreisförmiger Abdruck bei Wachendorf erkennbar. Vorausgegangen waren historische Editionen um den Goloring, die seinerzeit erbrachten, daß sich umliegende Höhen um den Goloring für Sonnenbetrachtungen eignen.


Img. 004 - Goloring Koblenz und Umgebung (eigene Einzeichnung) (Quelle: Goloring-Veröffentlichung)

Die Dreitonnenkuppe (unten links) kennzeichnet Dr. Wolfgang Zäck, Mayen, 1992 in: Essay zur Zeitmessung an Karmelenberg und Goloring als Standort einer Beobachtungslinie in Anm. 4: Die Visierlinie zum Sonnenaufgang des alten Maifeiertages am 17. Mai verläuft über den Distrikt Gollenbusch. Ihre rückwärtige Verlängerung zielt exakt auf die Dreitonnenkuppe.

Der Azimutwert für die Linie Dreitonnenkuppe - Goloring für den 17. Mai ergibt laut Azimutwertberechnungsprogramm 57 Grad 49 Minuten und 48 Sekunden. Sollte es ein Zufall sein, daß der für den Bauernkalender bedeutende Sophientag am 15. Mai, der auf die Eisheiligen 12. Mai - Pankratius, 13. Mai - Servatius und 14. Mai - Bonifatius folgt, vielleicht ein vorzeitlicher Kalenderstichtag sein könnte. Die Werte für diesen 15. Mai sind mit 58 38' 29'' etwa ¾ Grad von den Werten 17. Mai am Goloring abweichend und könnten durch Schwankungen der Erdachse und veränderte Vergangenheitswerte erklärt werden.

Also müßte im Beispiel eines noch nachzuweisenden Ringwall-Kalenders ein Standort gefunden werden, von dem aus ebenfalls eine Kalenderlinie mit gleicher Ausrichtung in Richtung Ringwall verläuft. Ein solcher müßte etwa am Münsterberg / Pohlenberg bei Wachendorf liegen. Diese Überlegung führte zu oben angeführter Überfliegung, die dann ein Foto vom Kreisabdruck Münsterberg erbrachte. Eine Analyse ergab 57,10 Grad Ausrichtung auf der Linie Münsterberg / Wachendorf - Ringwall / Kreuzweingarten. Ein Wert, der der Ausrichtung Dreitonnenkuppe - Goloring also entsprach.

Die entdeckte Kalenderlinie am Ringwall Kreuzweingarten führte also zu weiteren Analysen rund um den Keltenring im Hardtwald. Es wurden mehrere Höhen dementsprechend in einem Umkreis von etwa 4 km rund um den Ringwall auf ihre Kalendertauglichkeit untersucht. Ein weiterer Kreisabdruck wurde nicht gefunden, jedoch zahlreiche Flurausrichtungen, Flurnamen und Bezeichnungen wie Pohlenberg, Lichtenberg und Engelberg lassen einen Kalenderzweck erkennen. Hinzu kamen zwei Rechteckbezirke römischen Ursprungs, wovon einer in einer Luftaufnahme auf einen älteren überbauten Kreis hindeutet. Weiter entfernt etwa bei Weiler am Berge fand sich ein Kreis, von dem aus einie Linie bei 61 Grad auf den 8. Mai zum Ringwall verläuft und eine Linie bei 68 Grad auf den Pohlenberg neben dem Münsterberg Wachendorf auf den 18. Mai. Umgekehrt verläuft vom Ringwall nach Weiler eine Linie als Sonnenuntergangslinie auf den 13. 11. bei etwa 241 Grad, welches dem Sonnenuntergang zum Martinstag 11.11. bei 242 Grad vom Ringwall Kreuzweingarten aus gesehen in etwa nahekommt.

Mit diesen Erkenntnissen wurde eine kleine Stonehenge-Analyse durchgeführt. Etwa 800 m vom Steinkreis entfernt befindet sich in südwestlicher Richtung ein Kreisabdruck im Feld. Von diesem aus betrachtet liegt bei 58,37 Grad das Zentrum der Stonehenge-Anlage auf der Sophienlinie zum 15.5. Weitere Analysen im Umkreis von Stonehenge ergab ebenso Ausrichtungen auf Hügel oder kleine Kreisanlagen auf die bekannten Kalenderlinien 1.5. = Mailinie, 15.5. = Sophienlinie, 22.6. = Sommersonnenwende, 1.11. = Allerheiligen- oder Halloweenlinie, 11.11. = Martinstaglinie und 22.12. = Wintersonnenwende.


Abb. 799 - Stonehenge, Sophienlinie bei 58,37 Grad

Ist ein Kreis oder ein vermuteter Kalendermittelpunkt einmal gefunden, kann eine weitere Analyse mittel Azimutberechnung, Google-Earth oder anhand von topografischen Karten schnell Stellen finden, an denen weitere Standorte liegen können. Mit dieser Methode wurden die beiden Standorte bei Hilterscheid in der Mutscheid näher lokalisiert. Sie liegen mit mehreren weiteren Standorten auf einer Kalenderlinie, die auf den Martinstag ausgerichtet ist und auf den Hollerberg bei Holzmülheim / Weißer Stein hindeutet.


Abb. 54 - Kreisabdruck bei Hilterscheid, 'Auf den Schülen'


Abb. 798 - Hilterscheider Zuordnung. Grün = 65,02 Grad (etwa 1.5.) gelb = 59,09 Grad (etwa 14.5. = Bonifatius)

Die Linien verweisen auf Odesheim bzw. den vorgelagerten Zwergberg.





Kalendervergleich vom 10.3.2013

Goloring
Kobern-Gondorf

Dreitonnenhöhe

3,084 km
58,63 Grad

15.5.
Sophientag

Ringwall
Kreuzweingarten

Münsterberg
Wachendorf

4,42 km
57,1 Grad

18.5. (-)


Pohlenberg
Wachendorf

4,52 km
59,02 Grad

14.5.
Bonifatius

Stonehenge

Kreis A 344

0,831 km
58,37 Grad

15.5.
Sophientag

Odesheim

Hilterscheid Nord

3,2 km
65,02 Grad

1. 5.
Maitag, Beltaine

Odesheim

Hilterscheid Nord-Ost

2,95 km
59,09 Grad

14.5.
Bonifatius

Krummhörn Pewsum

Woquard

0,95 km
58,13 Grad

15.5.
Sophientag

Steinfeld / Eifel

Ringwall

1,211 km
58,45 Grad

15.5.
Sophientag

Alle 6 genannten Kalendersysteme weisen Parallelen auf:

Vom Gesichtspunkt der bäuerlichen Nutzung einer solchen Kalenderanlage scheint Stonehenge im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten zu sein. Es fand eine Verlagerung des Schwergewichts auf astronomische oder kultische Nutzung statt. Ein 831 m entfernt südwestlich liegender Kalenderstandort neben der A 344 scheint verkümmert und ab einer gewissen Zeit nicht mehr genutzt. Die bisher nicht als solche bekannten Kalenderorte Münster-/Pohlenberg Wachendorf und Hilterscheid 'Auf den Schülen' entsprechen in ihrer Ausrichtung den bekannteren Anlagen.

Eine kleine Vorabanalyse ergab, daß in der Eifel Hügel, Kreisanlagen oder markante Stellen als Beobachtungsort für Azimutwertbetrachtung an Martinstagen (etwa 117 Grad am 11.11.) vorhanden sind. In der Mutscheid nennen sich diese Martinsberge bzw. Martinsnück oder sie sind auf (halb)kreisförmig angelegten Wiesen und Feldern angesiedelt. Mit dem Nachweis der Brauchbarkeit des Kalenders für Bestimmung von Frostende und Frostbeginn scheint der Zweck der bäuerlichen Nutzung der Anlagen bestätigt zu sein. Über die solaren Ereignisse wie Sonnenwenden und kultische Zwecke, wie Mainacht (1.5.) und Samhain (Allerheiligen, Halloween 1.11.) finden sich Angaben bei den Einzelanalysen zum Mutscheidkalender.

Im übrigen wurden die Ausrichtungen auf den 15. Mai auch am entdeckten Warfendorf-Kalender am Krummhörn bei 58,13 Grad bestätigt. Eine Betrachtung eines Ringwalles bei Steinfeld bestätigen einen dortigen Kalenderverdacht aufgrund der Deklinationswerte zum 15. Mai.





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